Als er den
Goldenen Adler sicher hatte, pustete Domen Prevc erst einmal ordentlich durch. "Es bedeutet alles für mich", meinte der 26-Jährige, der vor diesem Winter noch kein Tourneespringen gewonnen hatte, nun aber als großer Sieger dastand: "Es ist die große Bestätigung, dass meine Arbeit in die richtige Richtung geht und dass ich so weitermachen muss."
Angesichts von 42,3 Punkten Vorsprung in der Tourneewertung sprach auch Experte Martin Schmitt von einer "fantastischen Leistung" des Slowenen. "Er hat es sauber durchgezogen, der Vorsprung spricht für sich. Er hat keine Fehler gemacht und verdient gewonnen", analysierte der ehemalige Weltklassespringer für Eurosport.
Etwas auf dem Zahnfleisch daher kamen auf der Paul-Außerleitner-Schanze dagegen die deutschen Mitstreiter. "Insgesamt bin ich schon zufrieden. Die Sprünge heute waren zu fehlerbehaftet, das ärgert mich ein bisschen", meinte der am linken Knie angeschlagene Felix Hoffmann nach Rang zehn, womit er in der Gesamtabrechnung auf Platz sechs landete.
Philipp Raimund kam dagegen wie in Innsbruck nur auf den zwölften Rang und schloss die Tournee als Achter ab. Allerdings war der 25-Jährige in Bischofshofen auch krank geworden. "Heute Morgen hat es mich komplett zerlegt", berichtete er im Gespräch mit Eurosport: "Ich fühle mich einfach scheiße und bin froh, dass ich überhaupt Zwölfter geworden bin."
Highlights: Prevc holt Gesamtsieg, Tschofenig siegt in Bischofshofen
Quelle: Eurosport
Bundestrainer Stefan Horngacher konnte beiden deshalb auch keinen Vorwurf machen. "Sie haben es gut gemacht", meinte der Österreicher: "Es waren nicht alle Sprünge ultra-gut, aber sie haben rund 90 Prozent abrufen können. Das ist während einer Tournee schon eine tolle Leistung."
Die Lehren der Vierschanzentournee.
1. Den Deutschen geht der Saft aus
Philipp Raimund und Felix Hoffmann gingen als Vierter bzw. Sechster im Gesamtweltcup in die Tournee - verbunden mit entsprechenden Hoffnungen, was einen Podestplatz angeht.
Nach Hoffmanns drittem Rang in Oberstdorf sah es gut aus, hinten raus ging dem DSV-Duo aber die Puste aus.
Hoffmann verabschiedet sich achtbar von der Tournee
Quelle: Eurosport
Hoffmann musste in Bischofshofen Schmerzen im linken Knie Tribut zollen. Bei Raimund flammte eine Erkältung von vor den Weihnachtstagen wieder auf, dazu war bei ihm nach seinem "Bandencheck" in Innsbruck die rechte Hüfte etwas beleidigt.
"Philipp hat heute früh nicht gut ausgesehen, der war ziemlich zugerichtet", berichtete Bundestrainer Stefan Horngacher, für den es die letzte Tournee in Diensten des DSV war: "Aber er wollte unbedingt springen. Am Ende ist ihm die Kraft ausgegangen."
Angeschlagener Raimund: "Es hat mich komplett zerlegt"
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So landeten Hoffmann und Raimund zum Abschluss "nur" auf Platz zehn und zwölf, was in Summe Rang sechs und acht machte.
"Es klingt wie eine Ausrede, aber ich wäre trotzdem gerne auf meinem Top-Niveau gewesen", meinte Raimund bei Eurosport etwas zerknirscht: "Vielleicht hätte ich dann um Platz drei mitspringen können."
Da kommt die Faust! Raimund erspringt sich Top-Ausgangsposition
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Bei der diesjährigen Tournee habe er aber auch so "viele Erfahrungen gemacht, die mir weiterhelfen werden - auch was den medialen Druck betrifft, wenn man vorne mitspringt". Es ist eben doch was anderes, wenn man die ganze Erwartungshaltung einer Nation auf den Schultern spürt.
Für Eurosport-Experte Martin Schmitt haben Hoffmann und Raimund deshalb auch so überzeugt.
"Beide sind eine tolle Tournee gesprungen, keine Frage", sagte der Team-Olympiasieger von 2002. Hoffmann hatte aber mit seinem Knie hintenraus wohl leider "mehr Probleme als er zugeben wollte".
Hoffmann gibt zu: "Das ärgert mich ein bisschen"
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Der Thüringer wird sich deshalb auch am Mittwoch zu bildgebenden Maßnahmen "in die Röhre" legen. Zu hoffen ist, dass dann bezüglich seines Knies nicht mehr rauskommt, "außer, dass dort eine Reizung besteht, die jetzt einfach ein bisschen Ruhe braucht".
Gut möglich also, dass die Super-Team-Generalprobe für Olympia, die bereits am Samstag im polnischen Zakopane steigt, ohne das aktuelle DSV-Vorzeigeduo über die Bühne geht. "Ich muss jetzt auf meinen Körper hören, weil während der gesamten Tournee habe ich ihn ignoriert", so Raimund.
Gar nicht in den Tourneerhythmus kamen derweil die Ex-Aushängeschilder Andreas Wellinger und Karl Geiger. Nach intensiven Trainings vor Weihnachten statt Weltcupspringen schafften die beiden es auf keiner Station in den zweiten Durchgang - eine Enttäuschung.
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"Das war zu befürchten gewesen", meinte Schmitt. Beide hätten es nicht geschafft, ihre mannigfaltigen Probleme während der Tournee zu beheben.
"Sie werden die nächsten Wochen intensiv nutzen müssen, um ranzukommen", so Schmitt. Als nächstes Highlight steht schon in zweieinhalb Wochen die Skiflug-WM in Oberstdorf an: "Bis dahin brauchen sie noch eine Trainingsphase, in der sie zulegen müssen."
Horngacher zog so auch ein durchmischtes Fazit: "Wir müssen zufrieden sein. Wir wissen um unsere Baustellen und an denen werden wir arbeiten."
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2. Viele Gewinner - aber auch Verlierer
Neben dem strahlenden Sieger Prevc dürfen sich vor allem der Tournee-Dritte Stephan Embacher (Österreich) und Innsbruck-Überraschungssieger Ren Nikaido (Japan/Gesamt-4.) als die Gewinner der 74. Vierschanzentournee sehen. Jan Hörl sprang, gemessen an seinen Fähigkeiten, als Zweiter derweil nur eine solide Serie.
Immerhin: In Bischofshofen überzeugte das ÖSV-Team mit fünf Springern unter den ersten Sieben in ganzer Mannschaftsstärke, in der Gesamtwertung platzierten sich sogar sieben Athleten in den Top 16.
Der Angriff auf den Goldenen Adler kam aber zu spät. Titelverteidiger Tschofenig gewann zwar die letzte Tournee-Station, der Zweite von Oberstdorf hatte aber in Garmisch-Partenkirchen (9.) und Innsbruck (6.) zu viele Punkte liegen lassen. "Es war eine Achterbahnfahrt für mich", sagte der 23-Jährige nach Gesamtrang-Sieben im "Sandwich" der DSV-Athleten: "Nach Oberstdorf hatte ich große Hoffnungen, aber dann hab ich's in Garmisch einfach nicht hinbekommen."
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Noch enttäuschender verlief die Tournee für Stefan Kraft, der es bei keinem Einzelspringen in die Top fünf schaffte und so als nur fünftbester Österreicher nicht mal die Top Ten der Tourneewertung erreichte (11.). Erst in Bischofshofen so richtig in Schwung kam dagegen der dreifache Gewinner des Goldenen Adlers, Ryoyu Kobayashi.
"Das hat mich ehrlich gesagt ein bisschen gewundert", meinte Schmitt zum Gesamtrang fünf des Japaners, der sogar seinem Landsmann Nikaido um 0,4 Punkte den Vortritt lassen musste: "Nach seinem Sieg in Engelberg dachte ich eigentlich, dass er eine starke Tournee springen wird. Ich hatte auf ihn gewettet. Aber da sieht man: Es ist auch für ihn kein Selbstläufer. Auch er wird für kleine Fehler hart bestraft. Es war für ihn nicht die Tournee, die er sich erhofft hat."
3. Die Tournee hat Prevc sehr geschlaucht
Wer Domen Prevc nach dem finalen Akt in Bischofshofen tief in die Augen schaute, sah vor allem eins: die pure Erleichterung.
"Der letzte Sprung war wirklich hart für mich", schilderte der Tourneesieger bei Eurosport und gab zu: "Der Druck war sehr hoch. Ich habe mir nur gedacht: Jetzt bloß nicht noch versauen!"
Prevc: "Ich dachte nur, versaue es jetzt nicht!"
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Alles andere als ein Tourneesieg des Slowenen wäre nach seinen souveränen Siegen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen auch schon eine Überraschung gewesen. Diese Erwartungslast nahm beim 26-Jährige quasi fast stündlich zu - bis er endlich den Goldenen Adler auf den Tag genau zehn Jahre nach seinem Bruder Peter in den Händen hielt.
Prevc erhält Goldadler zehn Jahre nach Bruder Peter
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Auch der 34-Jährige zeigte sich im Eurosport-Interview in erster Linie erleichtert.
"Es war sehr intensiv", meinte der ältere Prevc zur Zuschauerrolle: "Auch wenn Domen einen großen Vorsprung hatte, ist es nie vorbei, bevor es wirklich vorbei ist. Er soll es jetzt einfach genießen. Ich bin stolz auf ihn - und er kann auch stolz auf sich sein."
Peter Prevc adelt Domen: "Bin stolz auf ihn"
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Die Anerkennung seiner Kollegen war ihm jedenfalls auch gewiss. "Das war unglaublich", gratulierte Tschofenig bei Eurosport fair: "Er war der Favorit, hat dann aber alle noch mehr überrascht. Er hat die guten Sprünge wie am Fließband abgeliefert und hochverdient gewonnen."
Experte Schmitt meinte: "Im Training war auch mal einer besser, aber im Wettkampf hat er es immer auf den Punkt hingekriegt." Prevc musste sich seine Siege über die jeweils zwei Tage pro Station aber auch erarbeiten, das hat Körner gekostet.
So wich die Erleichterung bei Prevc in Bischofshofen auch bald der Erschöpfung. Mit zwölf Podestplätzen in Serie ist der Slowene aber nur noch eine Top-drei-Platzierung vom Rekord des Finnen Janne Ahonen (2004/05) entfernt. Dass der Gesamtweltcupführende in Zakopane also auslässt, gilt als unwahrscheinlich.
Dass Prevc damit aber auch automatisch als der große Favorit zur Skiflug-WM und zu Olympia reist, darf zumindest angezweifelt werden - dafür war die Tournee schlicht zu anstrengend.
Tagessieg verpasst: Prevc feiert trotzdem Tournee-Gesamterfolg
Quelle: Eurosport